Was ist aktuell in der Kinder- und Jugendarbeit erlaubt?

Stand: 27. Juni 2020

Hinweis: Wir haben am 16. Juni die Beschlüsse des Kabinetts vom selbigen Tag eingearbeitet. Da noch kein Hygienekonzept für Veranstaltungen im BayMbl. veröffentlicht wurde sind die untenstehenden Aussagen zum Teil noch mit Vorsicht zu genießen. Sobald es nähere Informationen gibt werden wir diese einarbeiten. 
Diese Frage stellen sich gerade viele Gemeinden. Wir möchten gerne einen Auszug einer Mail vom Bayerischen Jugendring (dem wir als GJW angehören und damit auch die Ortsgemeinden des BEFG in Bayern) zitieren:

Das Bayerische Kabinett hat nun am 26. Mai 2020 beschlossen, dass "ab 30. Mai 2020 Präsenzangebote der [...] der Jugendarbeit (nur zu Zwecken der Bildungsarbeit nach dem SGB VIII) [...] geöffnet werden. Zwingende Voraussetzung ist die Beachtung des erarbeiteten Hygienekonzepts".

Jugendarbeit im Rahmen des SGB VIII ist nach dem Verständnis des Bayerischen Jugendrings Bildungsarbeit. Damit umfasst dieser Beschluss die Jugendarbeit in ihrer ganzen Vielfalt. Zu beachten ist dabei das des „erarbeitete Hygienekonzept“. Bezug genommen wird hier auf das „Hygienekonzept für Veranstaltungen der Erwachsenenbildung, Sprach- und Integrationsförderung, Weiterbildung, Familienbildung, Jugendarbeit und außerschulischen Umweltbildung“. (https://www.km.bayern.de/ministerium/erwachsenenbildung.html ):

Das ist der rechtlich bindende Rahmen, in dem sich derzeit Jugendarbeit in ihren unterschiedlichen Feldern realisieren lässt."

Quelle: Mail vom 29. Mai 2020 - BJR - Empfehlungen zur Öffnung der Jugendarbeit in Zeiten von Corona

Zudem hat das Kabinett am 16. Juni folgende Dinge beschlossen

 

  • "Allgemeine Kontaktbeschränkung
    Die Regelungen zur allgemeinen Kontaktbeschränkung werden ab dem 17. Juni 2020 erweitert. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist künftig in der Familie sowie mit Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstands oder in einer Gruppe von bis zu zehn Personen gestattet. [..] Das Abstandsgebot von 1,5 Metern und die Maskenpflicht in bestimmten öffentlichen Bereichen bleiben unverändert. In geschlossenen Räumen soll für ausreichend Belüftung gesorgt werden. [..]
  • Gottesdienste
    Für öffentlich zugängliche Gottesdienste in Kirchen, Synagogen und Moscheen sowie für die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften gilt ab 22. Juni 2020 ein Mindestabstand zwischen den Teilnehmern von 1,5m. [..]
  • Veranstaltungen
    Andere, üblicherweise nicht für ein beliebiges Publikum angebotene oder aufgrund ihres persönlichen Zuschnitts nur von einem absehbaren Teilnehmerkreis besuchte Veranstaltungen, insbesondere Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstage, Schulabschlussfeiern oder Vereinssitzungen, sind ab 22. Juni 2020 mit bis zu 50 Gästen innen und bis zu 100 Gästen im Freien möglich.Öffentliche Festivitäten oder einem größeren, allgemeinen Publikum zugängliche Feiern bleiben untersagt."

    Quelle: https://www.bayern.de/bericht-aus-der-kabinettssitzung-vom-16-juni-2020/

Was bedeutet dieser Text für die Arbeit in den Gemeinden?

  • Können wir wieder Veranstaltungen durchführen?
    Wenn ihr Kinder- und Jugendarbeit im Bereich Veranstaltungen durchführt, bei denen es sich "aufgrund ihres persönlichen Zuschnitts nur von einem absehbaren Teilnehmerkreis besuchte Veranstaltungen" handelt, sollten diese Veranstaltungen durchführbar sein. Wenn ihr (relativ) feste Gruppen habt, dann interpretieren wir den Beschluss des Kabinetts so, dass diese als Veranstaltung anzusehen sind, die mit 50 Personen innen und 100 Personen im Freien erlaubt sind. 
    In der Veröffentlichung vom Kabinett (Stand 16. Juni 2020) steht unter dem Punkt Veranstaltungen nichts von einer Maskenpflicht für diese Veranstaltungen. Hier sind wir noch in einer Prüfung, ob Maskenpflicht besteht. Da die Hygienekonzepete für Kinos eine Maskenpflicht vorsehen, kann es sein, dass auch bei Veranstaltungen eine Maskenpflicht besteht. Wir beobachten hier die nächsten Tage die Veröffentlichungen und hoffen, dass wir euch ein Hygienekonzept verlinken können. 
    Gleiches gilt für das Abstandsgebot. So lange es keine expliziten Hygienekonzepte für Veranstaltungen gibt empfehlen wir das Hygienekonzept des BJRs. 

  • Können wir uns auch auf den Beschluss für Bereich der Jugendbildungsarbeit berufen?
    Als GJW fragen wir uns, ob wirklich die gesamte Jugendarbeit unter dem Bildungsbegriff zu sehen ist. Allerdings gehen wir davon aus, dass ein Großteil der Arbeit im Kinder- und Jugendbereich unserer Gemeinden als Bildung nach SGB VIII zu sehen ist. Wir verstehen unsere Arbeit ja als religiöse Bildung, da wir Kindern und Jugendlichen die Größe Gottes nahe bringen wollen.

    Unseres Erachtens sind daher Gemeindeunterrichtsgruppen, Kindergottesdienste, Jugendgottesdienste usw. als Bildungsveranstaltungen zu sehen. Auch Teenystunden/Jugendabende die klar den Focus auf Bibelarbeit haben oder Pfadigruppen, die z.B. neue Techniken der Seilkunde vermitteln sollten unter den Bereich der Jugendbildung fallen.

    Ob allerdings eine Auslegung des Kabinettsbeschlusses so weitgehend ist, dass auch eine Jungscharstunde (in der z.B. ein Hausgeländespiel stattfindet) oder eine Pfadfinderstunde in der ein Grillabend auf dem Programm steht dazu gehört würden wir bezweifeln.

    Da mittlerweile aber Veranstaltungen bis 50 bzw. 100 Personen wieder erlaubt sind (siehe oben), ist die Erlaubnis für die Bildungsarbeit sowieso nicht mehr so wichtig wie noch im Mai. 

    Der Bayerische Jugendring stellt auch eine umfangreiche Handreichung zum Thema zur Verfügung. Diese findet ihr unter https://shop.bjr.de/detail/index/sArticle/236/sCategory/9. Bitte beachtet bei dieser Empfehlung, dass sie Ende Mai geschrieben wurde und die Regelungen vom 16. Juni hier noch nicht eingearbeitet sind. 

Wie könnt  ihr zu einer Entscheidung kommen?

  1. Fragt euch, ob ihr eine Gruppenstunde überhaupt verantworten könnt. Ein Jugendgottesdienst mit klaren Vorgaben an die Sitzabstände ist sicherlich einfacher zu realisieren als eine Jungscharstunde mit einem Haufen Flöhe. 
  2. Prüft, ob es überhaupt möglich ist mit dem Angebot Mindestabstände von 1,5 Metern einzuhalten.
  3. Lest euch die Empfehlungen des BJRs  (ACHTUNG: Stand der Emfpehlungen des BJRs Ende Mai!) durch und folgt den Hinweisen zu den Angeboten, Hygienemaßnahmen, Hygienekonzepten usw. Für eine Öffnung der Jugendarbeit muss ZWINGEND ein Hygienekonzept in Schriftform vorliegen, dass den Sicherheitsbehörden/Kreisverwaltungsreferat auf Anfrage vorgelegt werden muss. Ihr müsst das Konzept also nicht zur Genehmigung einreichen. 
  4. Wenn ihr Zweifel habt, ob ihr wirklich eure Maßnahme durchführen dürft, fragt lieber noch einmal bei eurem lokalen Gesundheitsamt nach.
  5. Wenn ihr Veranstaltungen durchführt, dann schaut, dass die Vorgaben auch eingehalten werden, da sonst Ordnungsgelder und Strafen drohen. Es besteht durchaus auch die Möglichkeit, dass Gemeinden in die Haftung genommen werden, wenn grob fahrlässig gehandelt wird (z.B. in dem ihr sagt: Wir haben zwar ein Hygienekonzept, aber das mussten wir einfach haben, wir handeln nur zum Teil danach). 

Bei allen Empfehlungen gilt immer: Ihr müsst als Gemeinde immer vor Ort prüfen, ob es bei euch Besonderheiten gibt (z.B. eine hohe Infektionsrate im Landkreis), sich Gesetze und Vorgaben verändern usw. 

Was ist mit Freizeiten?

Als GJW veranstalten wir normalerweise in den Sommerferien acht Freizeiten und einige Gemeinden haben eigene Camps. Auch wenn die Lockerungen gerade in den letzten Wochen stark vorangegangen sind haben wir Mitte Juni beschlossen, dass wir keine Sommerfreizeiten durchführen werden. Sommerfreizeiten mit Abstandsregeln sind schwierig durchzuführen. Das kann allerdings für kleine Maßnahmen von Gemeinden anders aussehen. Hier ist eine pauschale Aussage sehr schwierig. 

Förderprogramm Maßnahmen in den Sommerferien

Der Bayerische Jugendring (BJR) hat ein Förderprogramm aufgestellt. Wenn ihr in den Sommerferien ein bisher nicht geplantes Angebot in kleinen Gruppen (6-12 Kinder) mindestens 5 Tage (Mo-Fr von 9-16 Uhr) für Kinder oder Jugendliche anbieten wollt, dann könnt ihr dafür bis zu 2000 € Zuschuss für Personalkosten und 200 € für Personal erhalten. Vielleicht habt ihr ja Leute in der Gemeinde die so etwas anbieten können. Selbständige die durch Corona Zeit haben, Menschen in Kurzarbeit usw. die sich durch das Angebot etwas hinzuverdienen können. 

Mehr Infos hierzu unter https://www.bjr.de/service/ferienportal.html
Gerne helfen wir euch bei der Beantragung der Gelder.

Fragen?
Bei Fragen könnt ihr auch gerne anrufen. Marc Dittberner kommt gerne mit euch ins Gespräch.