Mitarbeiter berichten von ihren Erfahrungen

Das Indianerlager wird von 15-20 sehr engagierten Mitarbeitern getragen. Was sie mit dem Indianerlager verbinden berichten zwei Mitarbeiter hier.

Indianerhäuptling "Trällerndes Wiesel"

Auf dem Indianercamp darf ich mit Kindern Zeit verbringen darf, die ein Lachen, ein Kompliment, ein gutes Frühstück oder ein gutes Gespräch aufnehmen und wertschätzen, wie ich es nicht oft erlebe. Ich darf durch die Kinder viel über mein eigenes Leben und auch meinen persönlichen Glauben lernen. Die Zeit auf dem Platz ist intensiv und vergeht super schnell! Ich bin dankbar das erleben zu dürfen!

 

"Lustiger Lurch"

Als ich vor etwa vier Jahren einen Freund im Gefängnis besuchte, sah ich schon das Plakat der Indianerfreizeit im Wartezimmer. Rückblickend denke ich, dass ich da schon wusste, eines Tages auf der Freizeit mitarbeiten zu wollen. Spätestens als dann noch die Hilde (Weißer Falke) aus meiner Gemeinde dort mitarbeitete und begeistert davon erzählte, war ich mir ganz sicher, da mitmachen zu wollen.

Der Aufbau des Zeltlagers am Wochenende vor der Freizeit verlief noch ganz easy, aber als am Sonntag die Kinder ankamen, war es „der Hammer“. Ich, der noch nie mit Jugendlichen zu tun hatte und auf keinem Zeltlager war, dachte, „ach du Sch... das schaff ich nicht.“ Die Kinder waren total aufgedreht und wollten gleich ihre Grenzen ausloten nach dem Motto: „Wie viel Wurst darf ich mir ohne Brot in den Mund stecken bis der Lustige Lurch was sagt?“ Aber der Lurch sagte nichts, ätsch!

Ab dem zweiten Tag wurde es dann viel ruhiger, Gott sei Dank. Schwer für mich war, in den Kindern eben Kinder zu sehen und keine kleinen Erwachsenen. Da mein eigener Vater lange Zeit im Knast und meine Mutter mit der Erziehung komplett überfordert war, weiß ich, wovon ich rede: Ein Bekannter der Familie sagte einmal: „Mit dem Roman (damals war ich gerade mal 5 Jahre) kann man reden wie mit einem Erwachsenen.“ Dieser Satz blieb mir lange im Gedächtnis. Kinder mit inhaftiertem Elternteil müssen oft sehr schnell erwachsen werden und Verantwortung übernehmen, da bleibt leider oft die Kindheit auf der Strecke. Daher war es toll zu sehen, wie die kleinen Indianer ihre Kuscheltiere mit ins Bett nahmen und Gute-Nacht-Geschichten hören wollten. Sie sind halt doch noch richtige Kinder!

Am meisten gefreut habe ich mich über die sichtbare Veränderung eines Jungen auf der Freizeit. An den ersten Tagen füllten Wörter wie „Töten“, „Zombie“, „umbringen“ usw. seinen Wortschatz. Er war auch nicht gerade nett zu den anderen Kindern. Nach einigen Tagen veränderte er sich sehr positiv, wurde aufgeschlossen und zugänglich – mit der ein oder anderen Ausnahme natürlich – Wunder dauern etwas länger.

Aber ein echtes Wunder war für mich, dass ich auf einer Luftmatratze im Zelt besser geschlafen habe als im heimeligen Bettelein. Noch dazu wenn man bedenkt, dass ich seit ca. acht Jahren starke Schlafstörungen habe! Werde ich im nächsten Jahr wieder dabei sein? Na klar, so Gott will, allein schon wegen des guten Essens und dem himmlischen Schlaf!